gebratenes Tunfischfilet mit Garnelen auf Brokkoli-Risotto, dazu Okraschoten & Brokkoli

Zutaten:

  • Tunfischfilets & Garnelen
  • Risotto
  • Brokkoli (Röschen & Späne) & Okraschoten
  • Salz, Pfeffer
  • Zwiebeln, Knoblauch
  • Brühe, Butter, (Parmesan)

Zwiebeln und Knoblauch anbraten, Risottoreis dazu geben, mit Weißwein ablöschen. Nach und nach Brühe zu geben und leicht köcheln lassen. Wenn es zu fest wird immer wieder Brühe zu geben. Zum Schluss mit Salz & Pfeffer abschmecken, Butter zugeben (und Parmesan). Ich hatte noch Brokkolispäne übrig (hatte sie in nem kleiner Mulinex für ein anderes Gericht so gebraucht) und habe diese dann zum Schluss zum aromatisieren und zur Farbgebung dazu gegeben.

Restlichen Brokkoli anbraten & die Okraschoten. Dann Tunfisch von allen Seiten scharf anbraten, dann Garnelen anbraten.  Alles zusammen bauen auf dem Teller, fertig.

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Viator – Salis XII

Geschichten

I. Erwachen

II. Roter Mond

III. Salis

30

Noch bevor Adam seinen Plan ausführen konnte, hörte er hinter ihm Schritte.

Nur keine eiligen Bewegungen“, sagte eine Stimme die er kannte. Er schloss die Augen und seufzte. Dann drehte er sich langsam um. Ein großer Mann mit weißen Haaren, breiten Schultern und braunen Augen stand vor ihm. Er trug eine robuste Lederrüstung, die trotzdem so aussah, als ob sie ihm genug Bewegungsraum ließ, einen braungrünen Umhang mit Kapuze und Lederstiefel. Er kannte ihn von früher, sie waren zusammen aufgewachsen. Die weißen Haare waren eine Besonderheit ihrer Familie. Sie waren seid Generationen Mitglieder der Seditio. Anders als bei ihm. Er kannte niemanden, als er bei den Seditio eintrat.

Ian Llyod“, sagte Adam

Höchstpersönlich“, Ian grinste ihn an, hielt ihm die Hand hin. Adam ergriff sie worauf Ian ihn hoch zog.

Ich wusste gar nicht das du hier bist“, sagte Adam.

Bin ich auch erst seit kurzem“, antwortete er.

Adam nickte. „Geschickter Schachzug, deine zwei Männer dort zu positionieren und mich glauben zu lassen, dass der dritte tiefer im Wald oder im Haus ist“

Ich hatte den Vorteil, dass Fenris mir erklärt hat womit ich es vielleicht zu tun habe“

Du arbeitest mittlerweile auch für jeden oder?“, Adam lachte trocken auf.

Ian zuckte mit den Schultern. „Geld ist Geld. Es ist schwierig seit früher, da dran lässt sich nichts mehr ändern“

Erinnere mich nicht an früher“, sagte Adam düster.

Ian deute ihm, dass er zu den beiden Männern gehen sollte. „Es tut mir Leid für dich, aber du bist zu spät gekommen“

Ich weiß. Aber wer konnte schon mit dir ahnen“, wieder lachte Adam trocken auf. „Mit allem hatte ich gerechnet, aber nicht mit dir“

Es dauerte nicht lange bis sie bei nahe den zwei Männern waren.

Ist Felis drinnen?“, fragte Adam.

Nein. Er hat im Wald auf uns gewartet“

Was?!“

Ja. Er sagte er wusste, dass wir kommen. Er wusste auch wie ich heiße, kannst du dir das erklären?“

Adam schüttelte den Kopf. „Kann ich mit ihm reden?“

Vor erst warten wir auf einen Boten von Fenris, dann von mir aus“

Adam überlegte kurz, willigte dann aber ein. Er hatte keine andere Wahl. Für den Moment konnte er sich nicht vorstellen, wie er da wieder heraus kommen sollte und welche Chance er hatte.

Was hat die alte Schachtel gesagt?“

„Sie hat nur geröchelt, bis sie an ihrem eigenen Blut erstickt ist“

Adam sah ihn überrascht an. „Fenris hat euch den Befehl zu geben, sie zu töten?“

Ian schüttelte den Kopf. „Es war Felis“

Adam drehte den Kopf schnell zu ihm und sah ihn verblüfft an. „Der Kleine?“

Ian nickte. Sie waren jetzt nah genug, dass Adam sehen konnte, dass neben den beiden Männern Felis auf einem Baumstumpf saß. Er sah bleich und kraftlos an. Dann sah er zu Adam, erkannte ihn, lächelte. Adam war noch immer überrascht und für den Moment hatte er sein Vorhaben vergessen.

Ein Reiter kam von der anderen Seite des Hofes auf sie zu. Er saß auf einem schwarzen Pferd.

Es ist eines der Rösser von Fenris.

Sei gegrüßt Ian“, sagte er.

Jacob“, Ian verbeugte sich. Worauf Jacob errötete. „Ich bin nur ein einfacher Diener, dass wissen sie doch Say“

Egal aus welchem Stand der Andere kommt, man sollte ihm Respekt zollen“, antwortete Ian.

Adam sah abwechselnd von Ian zu Jacob. „Du hast doch nicht?“, fragte Adam. „Jetzt wird mir klar, warum du den Auftrag für Fenris angenommen hast“, Adam lachte diesmal echt und herzlich auf. „Du änderst dich auch nie“

Ian grinste nur, aber Jacob stieg mit hochrotem Kopf von dem schwarzen Ross.

Herr Fenris schickt mich.“

Ian nickte. „Das denke ich mir“

Linus hat den Vertrag unterzeichnet und befindet sich bereits auf den Weg nach Salis. Fenris will, dass ihr den Jungen zu ihnen bringt, sie werden nahe des nächsten kleinen Dorfes rasten. Und dann sollt ihr sie zurück in eure Heimat Tarin eskortieren“

Also ist alles nach Plan verlaufen“, stellte Ian fest. „Nicht schlecht“

Was geschieht mit mir“, fragte Adam.

Euch ist es frei gestellt zurück nach Salis zu kommen oder Linus zurück nach Tarin zu folgen. Aber Fenris hat mir persönlich aufgetragen, Euch zu sagen, dass er einen persönlichen Handel mit Euch schließen will. Er kann Männer wie Euch immer gebrauchen“

Adam nickte. „Ich muss leider ablehnen“

Er sagte, dass Sie das sagen würden“

Im Gegensatz zu Ian habe ich noch etwas Stolz“, sagte Adam.

Mit Sicherheit“, antwortete Ian. „Deswegen warst du auch so oft im Cubus und hast dein Geld verspielt, dass du durch deinen Auftrag hier verdient hast“

Adam schwieg.

Im gleichen Augenblick drehte sich Felis um. Adam registrierte es im Augenwinkel. Der Junge stand auf und ging tiefer in den Wald hinein. Jetzt fiel es auch Ian auf. Er deutete seinen Männern an, ihm zu folgen, während sie selbst nach gelaufen kamen.

31

Gerade als Levi wieder in Richtung des Hofes biegen wollte um mit Felis Kontakt aufzunehmen, tauchte der Junge vor ihnen im Wald auf.

Felis?“, fragte er ungläubig. „Was zum…?“

Der Junge lächelte in seine Richtung. „Es ist alles gut Levi. Man wird mich zu Kara bringen und raus aus der Stadt“, rief er ihm zu.

Kurz danach tauchten fünf Männer hinter Felis auf. „Was soll den dass?!“, rief einer.

Einen darunter erkannte Levi. Es war Adam. Ein anderer hatte weiße Haare, obwohl er wie Adam selbst nicht älter als Mitte zwanzig aussah. Der dritte neben ihnen war ein Junge in Noahs Alter mit braunen Haaren, der entsetzt in ihre Richtung starrte.

Schon gut“, sagte Felis. „Das sind Freunde“

Levi was machst du denn hier?“, fragte Adam und kam zu ihm. „Ich dachte du bist abgehauen?“

Levi nickte. „Das hab ich auch geglaubt. Ich wollte Felis abholen und von hier weg bringen.“

Adam sah ihn erstaunt an. „Aber wie?“

Levi wich seinem Blick nicht aus. „Ich hab gehört was Kara gesagt hatte und hab eins und eins zusammen gezählt. Und als mir Noah erzählt hat, was Rogan…“, er zuckte mit den Schultern. „Dass konnte ich nicht zulassen“, er grinste zu Adam, der jetzt vor ihm stand.

Noah?“, murmelte der Junge. Dann wurden seine Augen vor Entsetzen groß. „Ian schnell! Töte ihn!“

Ian sah den Jungen überrascht an. „Wieso Jacob?“

Er ist…gefährlich“, sagte Jacob und das letzte Wort spie er aus, als ob es Gift in seinem Mund war. Levi sah zu Adam. „Lass es nicht zu! Er ist ein Freund von mir, er kommt von dem gleichen Ort, wie ich“

Adam verstand nicht was Levi damit meinte, aber die Botschaft war klar. Er stellte sich vor Levi und den Jungen. Er mochte Levi noch immer und auch wenn sie nicht viel Zeit zusammen verbracht hatten, so hatte er ihn doch in sein Herz geschlossen.

Ian er ist nur ein Junge, lass sie gehen. Sie haben damit nichts zu tun“

Felis ging langsam zu ihnen ohne sein Umfeld zu berücksichtigen.

Holt den Jungen da weg!“, brüllte Jacob. Noah begann zu grinsen. Es war ein eiskaltes, berechnendes Grinsen.

Felis ignorierte noch immer alles. „Levi, ihr müsst jetzt gehen. Wir werden uns in Tarin wieder sehen. Dahin seit ihr doch auf den Weg oder?“

Levi nickte.

Gut, dann verschwindet von hier“

Ian, du kannst das nicht zu lassen!“

Was ist den los?“

Jacob zögerte. Gleichzeitig musterte Noah Adam. Levi registrierte das und folgte seinem Blick. Dann sah er auch, was Noah sah. „Nein“, murmelte er. „Lass dass“

Noah hörte nicht auf zu Grinsen.

Jacob, noch ein Wort und ich bring dich um“, sagte er ohne die Spur einer Gefühlsregung.

Das reicht mir“, sagte Ian. Er nickte seinen Männern zu und sie kamen auf Noah zu.

Aus Jacob wich alle Farbe.

Keinen Schritt weiter“, sagte Noah kalt. Er drehte seinen Kopf zu Levi ohne die Situation aus den Augen zu verlieren. „Ich glaube wir müssen deinen Freund nicht retten, er ist schon frei. Wir sollten gehen“

Levi nickte. Wieder fragte Ian was den eigentlich los sei.

Eine Sache noch“, sagte er. „Adam. Auf Wiedersehen“, er ging auf ihn zu und streckte die Hand aus. Adam lächelte ihn an und ergriff sie.

Das ist meine Chance, dachte Levi. Bevor hier noch alles eskaliert!

Er umarmte Adam. „Danke für deine Hilfe, wir werden uns in Tarin wieder sehen, wenn alles stimmt, was Felis sagte“

Werden wir“, antwortete Adam. Dann spürte er, wie Levis Hände mit einer Schnelligkeit, die er ihm nicht zu getraut hatte, an die linke Seite griff. Er riss die Augen überrascht auf.

Ich werde alt. Ich hab die Situation nicht mehr im Griff, dachte er entsetzt.

Nicht“, flüsterte er. „Das macht alles nur noch schlimmer“

Das glaub ich nicht“, sagte Levi und zog die Waffe aus Adams Jacke. Er konnte sich nicht erklären, wie Levi wissen konnte wo sie steckte. Sie war in einer geheimen Tasche in der Jacke eingenäht, die man von außen nicht sehen konnte.

Levi hielt sie in der Hand. Entsicherte sie.

Adam schloss die Augen, sein Kopf fiel auf die Brust.

Jetzt ist es aus. Es geht alles schief.

Meine Herren, es tut mir Leid, aber wir werden jetzt gehen“, sagte Levi.

Die beiden Männer, die regungslos in der Mitte der Gruppen standen, wusste nicht was passierte. Levi wusste, dass sie noch nie eine solche Waffe gesehen hatte. Felis saß wieder an der Seite und beobachtete die Situation gespannt. Nur Ian wusste was hier gespielt wurde.

Schon gut“, sagte er mit ruhiger Stimme. „Nur zu, an euch bin ich nicht interessiert. Aber Felis bleibt hier“

Levi nickte. „Wenn Felis überzeugt ist, dass ihr die Wahrheit sprecht, dann ist es das beste für ihn.

Jacob war auf seine Knie gesunken und war völlig betreten.

Die Stimmung war angespannte und die Sehne überspannte sich mit jeder Sekunde noch mehr.

Felis stand auf und drehte sich zu Ian.

Ich würde ihnen zwei Pferde geben“, sagte er.

Ian sah zu ihm. „Was?“

Es sind vier Pferde hier und ich würde Ihnen zur Sicherheit, dass das hier alles ruhig und entspannt bleibt, zwei Pferde anbieten. Nicht auszudenken, was es bedeuten würde wenn Jacob, sie oder ich zu Schaden kommen. Fenris wäre darüber nicht sehr erfreut“

Was ist mit dem Jungen los? Wer ist er? Das ist doch nicht der gleiche Junge, der Levi so oft besucht hat, dachte Adam. So abgeklärt und berechnend, er macht mir Angst.

Ian schien zu dem gleichen Schluss gekommen zu sein.

Du hast recht Felis“, er drehte sich zu seinen Männern. „Los holt eure Pferde!“

Aber….“, setzte einer der beiden an.

Holt sie!“

Und wie sollen wir zurück nach Salis kommen?“

Meinetwegen geht!“

Aber…“

Das ist ein Befehl!“

Es dauerte nicht lange, bis sie die Pferde geholt hatten. „Adam würdest du?“, fragte Levi.

Adam nahm die beiden Zügel und brachte die Pferde zu Levi. „Ich hoffe du weißt was du tust“, flüsterte er. „Ja, ich hatte keine andere Wahl. Und außerdem ist es meine Waffe!“, sagte er zu ihm.

Nein es ist meine und ich habe sie dir nur geliehen, sagte die Stimme von Daimon in seinem Kopf.

Levi packte einen Zügel, Noah den anderen und sie gingen rückwärts nach hinten, bis sie weit genug weg waren. Die ganze Zeit über sah Noah nur auf Jacob. Fixierte ihn mit seinem Blick. Levi lief es kalt über den Rücken herunter. Es war als ob eine kalte mächtige Aura von Noah aus ging. Dann verließen sie den Wald und stiegen beide auf das Pferd. Levi wusste, dass er noch nie geritten war.

Es ist genauso wie das Schießen mit der Waffe. Es liegt in meinem Blut. Es war als hätte ich mich noch nie anders fortbewegt.

Dann ritten sie und Felis lächelte zufrieden. Dann wurde ihm schwarz vor Augen und er kippte von dem Baumstumpf.

32

Adam rannte zu Felis, drehte ihn auf den Rücken. „Felis?!“, rief er.

Im gleichen Moment hörte Jacob auf zu zittern. Und Farbe kehrte langsam in sein Gesicht zurück. „Was…was ist passiert?“, er sah schnell zu Ian. „Habt ihr ihn gefangen genommen?“, er sprach schnell und aufgeregt.

Was war los mit dir? Warum hast du nichts gesagt? Wer war der Junge?“

Jacob sah ihn entsetzt an. „Das heißt, sie sind weg?“

Ian nickte. „Ich hatte keine Wahl, sonst wäre jemand gestorben. Das haben die Augen der beiden gesagt“

Adam hielt Felis im Arm. „Blödsinn. Levi hätte niemanden umgebracht!“, rief er. „Er hat nur hoch gepokert“

Oh Adam, da irrst du dich“, sagte Ian. „Ich irre mich in so etwas nicht. Aber in dem Blick des Jungen lag mehr als Entschlossenheit. Es war…“, aber Ian verstummte er konnte es nicht beschreiben. Aber Adam konnte die Angst in Ians Augen sehen.

Wenn selbst Ian Angst hat…, dachte er.

Das war Noah“, Jacob hatte die Augen geschlossen. „Kennt ihn keiner von euch?“

Beide schüttelten den Kopf.

Es ist ungefähr ein Jahr her…“, fing Jacob an. Schluckte begann wieder zu zittern. Adam war als ob er spürte, dass Jacob wieder Noahs Stimme in seinem Kopf hörte.

Ich bring dich um.

Es hat ein Massaker geben am Hafen… Vier Tote, fünfzehn schwerverletzte von denen es dreizehn nicht geschafft haben“, er musste unterbrechen und kurz Luft holen. Seine Stimme zitterte. „Zwei leben noch. Einem fehlt ein Auge und dem anderen eine Hand. Wisst ihr wirklich nicht wer es war? Noch nie etwas von dem Dämonjungen gehört?“

Wir sind beide erst seit ein paar Wochen hier“, sagte Adam. Aber Jacob hörte ihnen nicht zu.

Als man ihn fest genommen hatte, konnte er sich an nichts erinnern und war nur ein einfacher Junge. Er war total verängstigt, könnt ihr das glauben?“, Jacobs lachte verzweifelt auf. „Könnt ihr es glauben? Es war, als wie wenn er eine andere Person war. Man beschloss ihn in das Waisenhaus zu bringen, zu Rogan.“, erklärte er.

Da wo du auch warst?“, fragte Ian.

Jacob nickte zögerlich, das Zittern wurde stärker. „Für mich war es auch nur einfach ein Junge. Wir waren schnell Freunde geworden. Er ist ein unglaublich netter Junge, wir teilten uns sogar ein Zimmer“, für einen kurzen Moment glaubte Adam, dass in Jacobs Stimme Zuneigung lag und nicht mehr das Entsetzen und Angst.

Keiner hatte uns ein Wort gesagt. Und von außen erfuhren wir nie, was passiert war. Er war so nett…Ich mochte ihn wirklich sehr“, sagte Jacob zögerlich. „Aber dann….“, seine Stimme versagte erneut. „Veränderte er sich wieder, kurz bevor klar wurde, dass Fenris mich mit nehmen würde und zu einem seiner Diener machen. Erst hatte er Interesse an Noah, aber…schließlich wählte er doch mich“

Er war selbst Fenris zu gefährlich?

Adam schluckte einen Kloß hinunter. Langsam begriff er wer der Junge war. Dann kam die Angst um Levi dazu.

Er weiß was er tut, sagte er zu sich selbst. Ihm wird nichts passieren. Immerhin hat er eine Waffe.

In der Nacht in der Fenris mich zu sich holte und nicht ihn, hat er mich fast umgebracht. Nachdem er einen von Rogans Männern getötet hat. Anscheinend war er einmal zu oft in unser Zimmer gekommen…“, Jacobs Stimme wurde immer leiser. Es war nicht mehr als ein brüchiges Flüstern.

Er sagte, wenn ich jemanden davon erzähle, dann tötet er mich“

Kein Wunder, dass er Angst hat. Jacob ist fast noch ein Kind, kaum älter als Felis.

Aber es war nicht das was er sagte, was mir so Angst machte. Es war die Stimme. Es klang nicht nach meinem Freund Noah. Es klang verzehrt und unmenschlich…“, Jacob sah sie hilfesuchend an.

In Noah steckt ein Dämon!“

Cannelloni gefüllt mit Brokkoli, Blumenkohl und Tunfisch in Tomatensauce

Zutaten:

  • Brokkoli& Blumenkohl,
  • Tunfisch aus der Dose & Creme fraiche
  • Knoblauch & Frühlingszwiebeln
  • Dosentomaten, Zwiebeln, Basilikum, Oregano & Tomaten Mark
  • Mozzarella
  • Cannelloni
  • Salz, Pfeffer,

 

Zwiebeln anbraten, Knoblauch (ca. die Hälfte) dazu geben. Tomatenmark zugeben und mit einem kl. Spritzer Wein ablöschen. Dosentomaten dazu geben & durch köcheln lassen. Basilikum und Oregano (oder ähnliche ital. Kräuter dazu geben) und ziehen lassen.

Brokkoli & Blumenkohl in einem Tischmixxer/Zerkleinerer zu feinen Spänen zerkleinen. Mit Tunfisch, Frühlingszwiebeln & Creme Fraiche mischen. Dann in Cannelloni Spritzen. Mit Tomatensauce aufgießen und Mozzarella bestreuen. Backen bis der Mozzarella gut gebräunt ist.

Ich hab wie immer etwas zu viel Masse produziert. Ein Spritzbeutel reicht für ein kleines Blech Cannelloni. Die Masse lässt sich auch gut einfrieren. Alternativ einfach die Brokkoli & Blumenkohl-Schnipsel aufbehalten und zum aromatisieren von Risotto oder ähnlichem hernehmen.

Viator – Salis – XI

Geschichten

I. Erwachen

II. Roter Mond

III. Salis

26

Nachdem die ersten Sonnenstrahlen die Holzhütten um Noah und Levi herum erleuchtet hatten, dauerte es nicht mehr lange, bis die Stadttore geöffnet wurden. Salis hatte mehrere Tore – eins in jeder Himmelsrichtung. Es war ein normaler Markttag, von daher waren bereits einige Menschen auf den Straßen anzutreffen. Einige Bauern kamen ihnen entgegen um auf den Markt zu gelangen. Lehrlinge der Handwerker holten Rohstoffe von dem kleinen Hafen am anderen Ende der Stadt, vom Gerber und von den Bauern außerhalb der Stadt.

Im Schutz der Menschen bewegten sich Levi und Noah unauffällig durch den äußersten Stadtring um zu dem Tor zu gelangen, dass Levi kannte. Es dauerte nicht sonderlich lange, aber während der ganzen Zeit schlug Noahs Herz schneller als sonst. Seine Schultern waren angespannt und er versuchte krampfhaft sein Gesicht zu entspannen.

Levi sondierte die Lage und versuchte sich einen Plan zu Recht zu legen. Immerhin hatte er keine Ahnung, wie er es überhaupt anstellen sollte, dass Felis mit ihnen kam.

Es wird weniger schwierig werden ihn von der Gefahr zu überzeugen, als davon, dass es in der Stadt bei seiner Schwester zu gefährlich war.

Levi hatte schnell begriffen, das Felis unmöglich in der Stadt bleiben konnte. Vorausgesetzt es war alles wahr, was er gehört hatte. Er bewegte sich ohne hin schon auf sehr dünnem Eis.

Warte erst einmal ab, ein Plan braucht immer genug Spielraum für spontane Reaktionen, die sich aus unvorhersehbaren Ereignissen bilden, sagte die Stimme der grünen Augen.

Levi nickte kaum merklich. Die Stimme hatte Recht.

Die Augen haben Weitsicht und gehören zu einem Kopfmenschen, dachte er ohne Recht zu wissen, was es zu bedeuten hatte.

Sie konnten ungesehen die Stadt verlassen. Er drehte sich kein einziges Mal um und so sah Levi die Stadt Salis nie wieder im Glanz der Morgensonne.

27

Adam hatte etwas länger durch den Wald gebraucht, als er gedacht hatte. Es war noch nicht lange her, dass es hier geregnet haben musste. Er war oft abgerutscht und kam nur schwer vorwärts. Noch dazu es war nicht so einfach sich im Halbdunkel zu orientieren und dann auch noch durch einen kleinen Umweg ungesehen an in eine andere Position zu kommen. Er hatte nicht vor frontal auf den Hof zu marschieren, nicht wenn er über Fenris Recht behalten würde. Denn wenn es so war, dass die Männer zu Fenris und nicht zu Rogan gehörte, dann glaubte Adam zu wissen, dass Fenris wusste, was er vor hatte. Und dagegen konnte er jetzt nichts mehr ändern, denn er hatte fest vor Linus zu helfen in eine bessere Position zu kommen.

Pass auf ihn auf, sagte die Stimme von Linus Vater in seinem Kopf. Adam erinnerte sich an das Gespräch.

Er ist noch jung und kann die Menschen nicht recht einschätzen, wenn es nicht um das Geschäft geht. Versteh mich nicht falsch, er weiß was er tut und ich bin stolz auf ihn, aber von Politik versteht er nichts“, hatte Rafael Cator gesagt.

Ich versteh genauso wenig davon“

Rafael hatte gelacht. „Adam ich weiß wer du bist und was du gemacht hast. Du bist nicht nur ein Koch“, eröffnete er ihm. Adam hatte gespürt, wie Rafael ihn genau angesehen hatte.

Du magst jung sein, aber ich hab mich erkundigt. Du denkst doch nicht, dass ich zufällig in deiner Stammbar war, wo du deine Alkoholsucht mit deiner Spielsucht finanziert hast um dir das Angebot zu machen, meinen Sohn zu begleiten?“

Adam schwieg. Es war wirklich überraschend gekommen, den Vater seines alten Freundes wieder zu treffen. „Man sichert sich immer doppelt ab“, hatte Rafael ihm erklärt und gegrinst.

Ich weiß, dass sehr viel passiert ist und du keine Arbeit mehr hast. Und auch warum weiß ich. Also reden wir nicht lange um den heißen Brei. Ich bitte dich, reise nicht nur als Koch nach Salis. Halte Augen und Ohren offen, ich trau dem kleinen Städtchen nicht. Er braucht deine Menschenkenntnis. Pass auf ihn auf“

Warum muss ich ausgerechnet jetzt daran denken?

Der Wald war lichter geworden und vor ihm stand die letzte Reihe der Bäume. Er würde aus nordöstlicher Richtung kommen, von dort wo die alte Weide gewesen war. Nachdem er die Bäume passiert hatte, legte er sich auf den Boden und kroch im Schutz des Grases und kleiner Büsche näher an den Hof heran.

Wie er vermutet hatte waren es nicht Rogans Männer, denn auf den ersten Blick war niemand in der Umgebung des Hauses. Sie hielten also Ausschau und erkundeten die Gegend. Jetzt hieß es vorsichtig sein. Schließlich wollte er nicht entdeckt werden.

Und wenn doch, Kara hat mir ein nettes Geschenk gemacht.

Er spürte den Druck der Waffe an seinem Körper.

Schade ich hätte Levi gerne gefragt woher er diese Waffe hat. So ein Modell hab ich noch nie gesehen.

Als er noch näher heran gekrochen war, entdeckte er zwei Männer an der Waldstelle, an der er ursprünglich heraus kommen wollte.

Wo zwei sind, da ist auch noch ein dritter.

Ein kurzes Stück weiter vorne würden ihm vier kleinere Büsche Schutz geben um einen Plan aus zu arbeiten.

28

Levi und Noah kamen schnell voran. Das letzte Mal hatten sie – so zumindest war es Levi vorgekommen – zwei oder drei Stunden für den gleichen Weg gebraucht.

Aber da war die Situation auch anders, dachte er.

Sie waren jetzt gerade eine Stunde unterwegs und Levi glaubte den Hof bereits zu sehen. Unbewusst bewegten sich seine Füße schneller. Seine Schuhe waren nass. Levi sah einen kurzen Moment zu Noah um zu sehen ob er protestieren würde.

Er ist in seinen Gedanken versunken, dachte Levi.

Über irgendetwas denkt er nach und es ist nichts schönes. So finster hat er vorhin nicht ausgesehen.

Die Gebirgsseen waren wieder zugefroren, die helle Haut schien jetzt eiskalt zu sein. Noahs Stirn war zusammen gekniffen und Levi konnte leichte Linien

Linien des Zorns

erkennen. Er wusste auch ohne das ihm Noah mehr erzählt hatte, dass er viel durch gemacht hatte.

Es bessert sich bestimmt, wenn wir weiter von Salis weg sind und er etwas Abstand gewinnt.

Nach weiteren zehn Minuten war er sich sicher, dass es wirklich der Hof war, den er sah. Levi versuchte sich zu erinnern, wo Felis Fenster war, stellte aber dann fest, dass er es nicht genau sagen konnte. Er konnte sich nur daran erinnern, wo Karas Zimmer war. Aber er ging davon aus, dass Felis auch im ersten Stock sein Zimmer hatte und wahrscheinlich genau auf die andere Seite blickend.

Also zum Wald hin.

Es wäre sicher klug, wenn er von dieser Seite näher an das Haus heran kommen würde, dann irgendwie Felis Aufmerksamkeit zu erreichen um ihn aus dem Haus zu locken. Dann würde es einfacher werden, wenn sie ungestört ein Palaver im Wald abhalten konnten.

Palaver? Das ist eines von Daimons Wörter, warum denk ich gerade jetzt daran? Bin ich auf dem richtigen Weg?

Während er sich das fragte, schlug er eine leichte Korrekturänderung am Weg an und näherte sich so dem Wald.

29

Als das Gewitter vorbei war – es war genauso schnell verschwunden, wie es gekommen war – und die Sonne aufging, hielt es Felis nicht mehr aus. Er sprang ruckartig aus dem Bett. Die Sonnenstrahlen berührten seine nackten Beine. Die Nervosität hatte ihn besiegt. Schon die ganze Nacht hatte er ein schlechtes Gefühl gehabt und auch jetzt zog sich sein Magen zusammen, als ob ein glühender Draht um ihn gespannt war und stetig enger gezogen wurde. Er zog sich schnell an. Felis hatte das Gefühl, dass die Wände immer näher kamen. Das er jetzt schon ein Gefangener war. Als es noch dunkel war, hatte er immer wieder das aufgesetzte, gütige Lächeln von Rogan gesehen vor seinen inneren Augen.

Es war keine Entscheidung aus freien Stücken, dass er an diesem Morgen seine kostbarsten Besitztümer mitnahm als er sein Zimmer lautlos verließ. Der Dolch, die letzten paar Münzen und die Steinschleuder, die ihn seinen Vater erinnerte und das brauchte er jetzt. Er wollte spüren, dass er nicht alleine war. Und er wusste genau, dass sein Vater dieses Verhalten nicht getadelt hätte. Felis handelte richtig.

Du musst Ruhe bewahren mein Junge, sagte die Stimme seines Vaters.

Nur nichts überstürzen.

Leise schlich er durch den Flur auf die Treppe zu. Dort ging er langsam – Stufe für Stufe – an der Seite entlang, damit die alte Holztreppe nicht knarrte. Er musste um jeden Preis verhindern, dass er Iris aufweckte.

Aber das musste er nicht, denn sie war bereits wach und stand im Gang nahe der Haustür.

Das Gewitter muss sie geweckt haben, dachte er.

Oder sie kennt dich einfach zu gut mein Junge, sagte sein Vater.

Für einen Moment war ihm das Blut in den Adern gefroren, aber dann atmete er tief durch und lies sich seine Anspannung nicht anmerken.

Guten Morgen“, sagte sie. „So früh schon wach? Wolltest wohl einen letzten Spaziergang machen und den Sonnenaufgang genießen, ja?“, er konnte den Hohn in ihrer Stimme spüren. Auch wenn sie sich einmal Mühe geben hatte, sich um die Zuneigung der Kinder zu bemühen, so war dies jetzt vorbei. Er war nicht mehr, wie ein Mittel um ihren Lebensabend zu finanzieren.

Ja“, antwortete er knapp. Sie nickte, als ob sie diese Antwort bereits erwartet hatte.

Du solltest vorher frühstücken, dass du gestärkt bist für den Spaziergang“

Ich hab keinen Hunger Iris“, er war selbst verwundert darüber, aber sie war es noch viel mehr. Ihre Gesichtszüge schienen zu entgleiten. Er sah zu wie Zorn und Wut in ihr hochkochte.

Du wirst hier bleiben hast du mich verstanden?!“

Nein das werde ich nicht“, Felis blieb ruhig. In seinem Innerem sagte er immer wieder das gleiche wie ein Mantra. Das gab ihm Kraft.

Ich muss Ruhe bewahren, darf nichts überstürzen.

Sie hatte sich vor der Tür aufgebaut. „Du weißt, dass es ein Verbrechen ist, wenn ein Jünger des Monus weg läuft? Er ist in seinem Besitz. Du wirst Ärger bekommen“

Nicht wenn sie mich nicht finden!“, sagte er entschlossen und zum ersten Mal sagte sein Verstand ihm, dass es sein Ernst war weg zu laufen. Er konnte es nicht ertragen, wenn Rogan ihn noch einmal anfasste oder berührte. Er wusste nicht warum, aber Felis war sich sicher, dass er ihn wieder anfassen würde. Und das nächste Mal würde es nicht so schnell wieder vorbei sein.

Du bist es mir schuldig!“, sagte sie. „Ich hab für dich immer gesorgt!“

Nichts hast du für mich und Kara getan“, brüllte er. „Du hast uns immer wie Dreck behandelt und Kara hast du genauso verkauft wie mich!“, der Zorn, der sich all die Jahre seit sie jetzt bei ihnen war, gestaut hatte, brach los. Er schien rot zu pulsieren.

Bring sie um, sagte eine Stimme im Kopf. Er kannte sie nicht, aber Noah hätte sie erkannt.

Es ist der Dämon des Zorns der da gesprochen hat, schoss ihm durch den Kopf.

Sie hat dich gequält, Jahre lang. Sie war keine gute Mutter. Im Gegenteil sie hat eure dumme alte Henne, mit ihrem lahmen Bein nach deiner Mutter benannt. Sie verdient nichts anderes als den Tod!

Egal wessen Stimme es war, sie hatte recht.

Rogan hat mich her geschickt, als dein dämlicher Vater ihm vor die Kutsche gerannt ist! Und deswegen muss ich mein Leben hier verbringen ohne Anteil an der Stadt zu haben und irgendwie Geld zu haben!“

Er hat meinen Vater umgefahren, das weiß jeder. Weil er mal wieder zu viel Messwein getrunken hatte und zu spät auf dem Weg zum Tempel war! Red nich so von Vater er war ein guter Mann!“

Ein Dreck war er, er war dumm und naiv. Dachte, dass aus euch Kindern noch etwas werden konnte. Aber ich hab erkannt wie unfähig ihr seit. Aber was hätte ich erwarten sollen, schließlich seit ihr seine Kinder! Und jetzt geh auf dein Zimmer, sonst garantiere ich für nichts!“

Für einen Moment schloss Felis die Augen. Versuchte tief durch zu atmen, er kämpfte noch immer mit dem Dämon in seinem Kopf.

Sie ist zu weit gegangen, bestrafe sie! Dein Vater war kein Idiot. Lass nicht zu, dass sie so von ihm und Kara redet!

Dann hatte er die Augen aufgemacht. Sie war einen kurzen Schritt zurück gewichen, bis sie bemerkte, dass sie mit dem Rücken zur Tür stand. Etwas in seinen Augen hatte aufgeblitzt und sie hatte Angst.

Du hast mich und Kara verkauft! Und nicht einmal versucht meinen Vater zu retten!“, brüllte er.

Sie wurde immer weißer.

Nein, nein, du siehst..äh das völlig falsch. Ich hab nur versucht…äh… euch eine Zukunft zu geben. Ja genau das habe ich! Denk doch mal nach, was du als Jünger von Rogan alles erreichen kannst und du musst nicht einmal mehr dafür tun als mit zu arbeiten und ihm ein paar gute Sachen tun, wenn er nachts in dein Zimmer kommt um dich zu besuchen und dich am Segen von Omnis teilhaben lässt. Du darfst diese Chance nicht so weg werfen, bitte Felis mach keinen Blödsinn“, ihr Tonfall war nicht mehr gehässig und überheblich, sondern ängstlich.

Siehst du Felis, es ist wahr was man sagt und was du befürchtet hast. Er wird dich wieder anfassen und sie wird dir nicht helfen!

Das war der Tropfen der die Oberflächenspannung des Zorns zerstörte und so konnte er endlich überlaufen. Etwas in seinem Verstand machte klick, später konnte er sich nicht mehr genau erinnern, was passiert war. Immer wenn er es versuchte, war dort nur ein Rot. Kein klares Bild.

Plötzlich stürmte er auf sie zu. Es waren kaum mehr als fünf Meter. Sie schrie, noch ehe er sie erreicht hat. Während des kurzen Sprints zog er den Dolch, der auf Nierenhöhe an seinem Rücken mit einem Gurt und einer kleinen Schwertscheide befestigt war, hervor. Felis bremste nicht ab, umklammerte den Dolch fest in seiner Hand. Als er sie erreicht hatte riss er den Dolch nach oben und rammte ihn in ihr weiches Fleisch. Die zwanzig Zentimeter lange Klinge mit dem Vogel im Griff bohrte sich unter ihren Brustkorb. Iris röchelte. Blut lief über seine Hand. Es war warm und irgendwie dickflüssig.

Jetzt schob sich etwas vor das Rot in seinem Kopf. Es waren Bilder, nein es war mehr als einzelne Bilder. An sie konnte er sich auch später erinnern, er konnte sie sich nicht erklären, warum er es gesehen hatte.

Er sah Levi und einen jungen mit schmächtigen Jungen mit tiefen dunklen Augenringe unter den eisblauen Augen. Sie waren auf dem Weg hierher. Felis wusste, dass sie gekommen waren um ihm zu helfen. Etwas an dem Jungen beunruhigte ihn. Er war genauso fremd wie Levi in Salis.

Gleichzeitig sah er, wie seine Schwester und ihr Mann in einer Kutsche waren und aus der Stadt gebracht hatten. Linus hatte einen Handel mit Fenris geschlossen, bald würden hier Männer auftauchen, die ihn mit nehmen würden und zu seiner Schwester bringen würden.

Dann sank sie zusammen. Noch ehe das Gewicht ihm den Dolch aus der Hand drücken konnte, zog Felis ihn heraus. Das schmatzende Geräusch hörte er nicht. Sie sank vor ihm auf den Boden.Er verließ das Haus. Hinter sich schloss er die Türe wieder und ging in den Wald nahe des Hauses. Er wusste was jetzt zu tun war.

Etwa zur gleichen zeit registrierte Adam, dass die Reiter vor ihm war und nicht mehr weit von dem Hof entfernt war.

Gebratener Wolfsbarsch mit Paprika-Zwiebel-Gemüse & Knoblauchbaguette

Zutaten:

  • Wolfsbarsch
  • Paprika & Zwiebeln
  • Baguette (oder auch: Semmeln oder Brot)
  • Knoblauch, Salz & Pfeffer, Cayenne
  • Knoblauchbutter

 

Paprika und Zwiebeln zerkleinern. In Olivenöl anbraten. Bei leichter Bräunung Knoblauch zugeben und mit Salz und Pfeffer würzen. Man kann auch zuvor mit einem Spritzer Weißwein das Ganze ablöschen und ein bisschen Tomatenmark unterheben.

Hautseite des Wolfsbarsch es mehlieren und dann auf beiden Seiten braten bis eine schöne goldgelbe Färbung vorhanden ist.

Butter schaumig rühren, Knoblauch, Salz Pfeffer, Cayenne zu geben. Auf Baguette (o.ä.) bestreichen im Ofen kurz anbacken bis auch hier die gewünschte Bräunung erzielt ist.

Viator – Salis – X

Geschichten

I. Erwachen

II. Roter Mond

III. Salis

25

Die letzten Stunden waren auch für Karas Geschmack etwas zu schnell vergangen. Als sie an die Tür von Lestoi geklopft hatte, öffnete sie ihr persönlich.

Du bist spät dran mein Mädchen“, hatte sie gesagt und ihr ins Gesicht gegrinst. 

Es tut mir so Leid“, hatte Kara gesagt und auf den Boden gesehen.

Ja ja schon gut, heb dir das für später auf!“, Lestois Stimme war ungewohnt schroff.

Wir müssen los“, ordnete sie an.

Wohin?“, fragte Kara vorsichtig.

Siehst du dann schon und jetzt komm!“

 Ihre Haut war milchweis und schimmerte fast wie Alabaster unter ihrem roten Kleid. Ihre schwarzen Schuhe glänzten und machten ein leises tock-tock.

Sie hatte erst nicht gewusst, wohin Lestoi sie brachte, bis sie vor dem Haus von Balter Fenris stand. Sie selbst war noch nie hier gewesen, aber natürlich kannte sie das Haus des Gönners des Volkes. Es war aus weißem Kalkstein, in dem immer wieder breite Stützen aus schwarzen Holz eingezogen waren. Das Dach war aus roten Zinnen. Madame Lestoi klopfte zweimal kurz an die Tür, dann wurde sie geöffnet.

Ich will zu deinem Herren“, sagte Lestoi schroff.

Der Diener schien sie zu kennen, nickte und öffnete die Tür ganz, damit sie eintreten konnten. Balter Fenris saß auf einem Lederstuhl hinter einem mächtigen Tisch, der ebenfalls aus dunklem Holz war. Kara kannte das Holz nicht und hatte es auch noch nie in ihrem Leben gesehen. Linus war bereits hier. Was will er hier, fragte sie sich. Versucht er mir wieder zu helfen?

Ah da seit ihr ja endlich“, sagte Fenris.

Sie hat sich Zeit gelassen“, antwortete Lestoi.

Linus kam zu ihr, umarmte sie und gab ihr einen Kuss.

Er hat einen Diener geschickt um mich zu holen“, flüsterte Linus ihr zu. „Sie machen uns ein Angebot“

Lestoi war zu Fenris gegangen, hatte ihm einen Kuss geben – nicht so keusch wie Linus ihr einen geben hatte – und lehnte jetzt an dem Tisch. Sie musterte Kara. Sie spürte Lestois Blicke auf ihren Körper.

Ach was, das macht nichts. Besser spät als nie“, Fenris lächelte Kara zu. Übelkeit kroch in ihr hoch. Fenris sah zu Lestoi, dann wieder zu Kara und Linus.

„Wie haben euch einen Handel vor zu schlagen. Einen letzten Ausweg um deinen Bruder vor Rogan zu bewahren, aber alles hat seinen Preis. Nicht meine Liebe“

Ja“, Lestoi hatte jetzt übernommen. „Versteht mich nicht falsch, wenn es nach mir ginge, dann  würden wir euch diese Chance nie geben. Du hast mich bloß gestellt du Miststück! Am Liebsten würde ich dich öffentlich Auspeitschen lassen. Und glaub mir, noch könnte ich das. Noch gehörst du mir. So lange wie du nicht verheiratet bist! Ich hätte vor den anderen Palexas fast mein Gesicht verloren und dafür ist es nur Recht und billig, dass Rogan deinen Bruder holt und mit ihm das macht, was Ruben mit dir gemacht hat!“, Lestois Lachen fuhr Kara durch die Knochen. Die Bosheit, die in den Augen und in dem Lachen lag, machte ihr Angst.

Aber wir haben auch erkannt, welche Rolle du spielst und wie wir alles zum Guten wenden können“, sagte Fenris.

Und Rogan ausspielen können, nachdem er euch ja seine Hilfe mit der Hochzeit zu gesichert hat“, sagte Lestoi.

Leider Gottes dachte der alte senile Mann, dass er so die Geschäftsbeziehung zwischen Linus und uns zerstören kann“, erklärte Fenris. Diesmal lachte er auf. „Aber dieses Spiel, kann ich auch mit spielen“

Wir haben einen Vorschlag von dem wir alle etwas haben“, erklärte Lestoi.

Kara hob den Blick, sah den beiden in die Augen. Schluckte ihren Kloß im Hals herunter.

Einmal Palexa, immer Palexa, die Stimme, die nach Iris klang in ihrem Kopf, hatte sich zu Wort gemeldet.

Wieder verkaufst du dich. Aber zu einem guten Preis, dachte sie.

Kara nickte. „Welchen Gefallen?“

Ach Kleinigkeiten. Wir müssen nochmal über den Preis verhandeln.“, sagte Lestoi.

Aber das Salz ist Eigentum der Stadt, wie könnt ihr den Preis aushandeln?“, fragte Kara.

Ich habe eigne Salzminen aufgebaut und einige bereits bestehende Minen aufgekauft“, erklärte Fenris.

Kara zog die Augenbrauen fragend nach oben. „Bei aller Ehre, das können nicht einmal Sie sich leisten“

Fenris lachte trocken auf. „Und so etwas hast du zu den reichsten Männern geschickt Sharon?“

Sie kann mit ihrem Mund bessere Dinge als Reden“, Beide lachten herzlich auf. Linus sah sie finster an. Er wollte gerade den Mund öffnen um etwas zu sagen, als Kara ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen brachte.

Schon gut, sagten ihre Augen. Lass dich nicht reizen.

Bei einer derzeitigen Lage, bei dem die Abgaben so hoch sind – auch für die Besitzer einer Salzmine, können sich nur noch wenige den Abbau leisten, wenn weiterhin nur der reguläre Handel mit Dolur und den wenigen anderen großen Städten besteht. Ein bisschen Bargeld, einen Posten innerhalb der eignen Mine und man macht jeden Bürger glücklich“, er ginste.

Deswegen…“

Schlaues Mädchen“

Aber…das Volk!“, sie sah ihn entsetzt an.

Wieder lachte Fenris. „Sie sollten Dankbar sein. Siehst du nicht, was ich für das Volk tue?“

Kommen wir zum geschäftlichen?“, fragte Linus.

Fenris wandte sich wieder Linus zu.

Immer langsam“

Du willst bessere Bedingungen für dich bei diesem Handel! Ich dachte wir sind uns einig über den Preis. Wir zahlen dir sogar etwas mehr als Dolur! Du weißt ganz genau, dass ich am Preis nichts mehr machen kann. Selbst wenn,du mich mit Felis versuchst mich zu erpressen, wird es nicht gehen. Dir wird ja wohl klar sein, dass mein Vater schlussendlich das letzte Wort hat“, Linus sprach schnell und mit Nachdruck in der Stimme.

In erster Linie wollen wir euch zwei helfen, dass ihr Felis zu euch holen könnt. Man muss immer auf seien Geschäftspartner Rücksicht nehmen. Es wäre eine Schande, wenn wir euch nicht helfen diese lästige Sache mit Felis nicht aus der Welt zu schaffen. Das ist so zu sagen vorweg eine kleine Gefälligkeit unserer Seite“, erklärte er.

Du siehst das völlig falsch. Ich wollte sogar vorschlagen, dass Salz zu einem niedrigeren Preis zu kaufen“, sagte Fenris. Für Kara hörte er sich berechnend an.

Er hat irgendetwas vor, nur was?

Warum solltest du das tun?“, fragte Linus und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Ganz einfach, weil ich eine Bitte an dich habe“, antwortete er schnell.

Ich werde euch begleiten“, sagte Lestoi und lächelte Linus an. Karas Gesichtsausdruck verfinsterte sich. Sie hasste dieses gewinnende Lächeln von Lestoi. Es war ein Lächeln, auf dass reihenweise Männer hereinfielen.

Wozu denn das?“, fragte Kara.

Ich wollte Tarin schon immer einmal sehen“, warf Lestoi ein.

Eigentlich hatte ich selbst vor mit nach Tarin zu reisen. Aber das geht jetzt nicht. Ich kann die Stadt schlecht verlassen, wenn Rogan heraus findet, dass Felis weg ist und man ihn betrogen hat“

Warum genau wollen sie mit?“, fragte Linus.

Das ist doch ganz einfach. Wir wollen uns selbst davon überzeugen, dass es sich lohnt den Handel ein zu gehen. Immerhin ist er sehr wichtig für die Stadt. Bis jetzt kennen wir nur dich, aber es wäre interessant zu sehen was dahinter ist“, erklärte Fenris.

Ihr zahlt also den Preis den Dolur für das Salz zahlt, ihr bekommt Felis und ich werde als euer Gast mit nach Tarin kommen“, fasste Lestoi zusammen. „Das ist mehr als fair“

Fenris, Sie wissen sicher, dass ich nicht so einfach Fremde mit nach Tarin nehmen kann“

Wir sind Geschäftspartner Linus. Ihr wollt unser Salz. Und wir wollen nur wissen ob wir euch vertrauen können. Ich habe keine Lust, dass der Vertrag auseinander bricht. Ich gehe ein gewisses Risiko ein, ihr wisst, dass der König es nicht gerne sieht, wenn man mit eurem Land handelt. Selia hat das auch getan, bevor es aufgehört hat zu existieren. Und ich bin euch wirklich entgegen gekommen. Da könnt ihr uns den Gefallen doch machen oder?“, fragte er.

Linus überlegte. Kara sah ihn fasziniert an. Noch nie hatte sie ihn so intensiv nachdenken sehen. Er senkte den Kopf, seine Haltung war angespannt. Sie konnte fast sehen, wie Gedanken durch seinen Kopf jagten. Er wog ab. Zum ersten Mal konnte sie im Ansatz verstehen warum sein Vater ihn geschickt hatte. Linus mochte Menschen nicht so schnell durchschauen, er mochte ab und zu naiv sein und sich für etwas besseres halten, nur weil er aus Tarin kam. Aber er war auch ein guter Mensch und äußerst loyal, dass hatte sie selbst zu spüren bekommen. Er hatte immerhin alles getan um ihr zu helfen.

Und das obwohl du ihn nicht mal wirklich liebst, sagte ihres in ihrem Kopf.

Verstehst du jetzt warum ich dich zu Lestoi geschickt habe, du bist ein gerissenes Miststück und nutzt Menschen gnadenlos aus.

Kara wurde schwindlig, sie schloss die Augen.

Lügnerin, sagte Iris.

Nein das ist nicht wahr!

Unter einer Bedingung“, sagte Linus.

Fenris rutsche auf seinen Stuhl ein Stück vor. „Die wäre?“

Sie bleibt in meiner Nähe und ich kann sie im Auge behalten. Du verstehst sicher, dass ich ebenso ein Risiko eingehe, wenn ich sie mit bringe. Fremde sind nicht gern gesehen in unserer Stadt“, erklärte Linus.

Fenris nickte, sah zu Lestoi. „Natürlich werde ich immer in deiner Nähe bleiben“, erwiderte sie und lächelte ihn an.

Ich schlage vor, ihr reist bei Sonnenaufgang ab“, sagte Fenris. „Jacob?“, rief er.

Der Diener kam erneut herein. „Ja mein Herr?“

Mach bitte alles für die Abreise bereit.“

Ja mein Herr!“, der Diener verschwand mit schnellen Schritten.

Armer Junge“, sagte Fenris. „Es hat mich viele Stunden gekostet, ihn wieder auf die Beine zu bringen. Rogan hätte ihn beinahe zerstört“, jetzt hatte seine Stimme einen Plauderton angenommen.

Ich sag euch, in dem Waisenhaus und in seinem Tempel passieren keine schönen Dinge“, er schüttelte den Kopf. „Traurig das es solche Leute gibt, die das Recht, das sie predigen, nach ihren eignen Maßstäben auslegen“, und dann setzte er zu einem leichten, kaum sichtbaren Lächeln an. Kara musste ihre Übelkeit wieder hinunter schlucken. Sie sah hilfesuchend zu Linus.

Wie wollt ihr Felis daraus holen? Wir werden nicht ohne ihn Salis verlassen“

Bleib ruhig, mein Freund. „Auch das sei nur meine Sorge sein. Heißt das der Handel steht?“

Linus nickte, aber nur langsam und widerwillig. „Hab ich eine Wahl?“

Die hat man immer“, antworte Fenris gelassen.

Er nahm einen Stoß Papier in die Hand und kam zu Linus.

Hier habe ich noch einmal alles fest gehalten, dass wir beide die Sicherheit des schriftlichen Wortes haben. Ich brauch nur noch eine Unterschrift“, er gab ihm die Papiere und brachte ihm dann ein Tintenfass und eine Feder. Kara spürte eine innere Zerrissenheit. Natürlich war sie erleichtert, dass Linus den Handel einging und sie so ihren Bruder retten konnte, aber irgendetwas störte sie. Sie wusste nicht ob Linus klar war, was dieser Handel letztendlich für Vorteile für Fenris hatte.

Mit der Unterschrift wird Linus ihm unglaublich viel Macht verschaffen. Nach und nach wird er die Salzmienen alle unter seine Gewalt bringen. Ruben wird nichts ahnen, weil er bestimmt seinen Anteil am Kuchen bekommt, durch die Gewinne.

Als sie ihr das klar wurde, kamen nach und nach noch einige andere Kleinigkeiten. Auch wenn es vielleicht Linus nicht klar war, so war es doch Adam klar. Vielleicht nicht in diesem Ausmaß, aber doch ansatzweise. Adam hatte weit mehr auf dem Kasten, als nur ein einfacher Koch zu sein. Er war der erste, der sie alle immer wieder vor Fenris gewarnt hatte. Seinen Vorschlag direkt mit den Minen selbst zu verhandeln hatte Linus abgelehnt und sich entschlossen mit Fenris zusammen zu arbeiten, als dieser auf Linus Streben hin aufmerksam geworden war. Als nächstes dämmerte ihr, was Linus vor hatte.

Adam steckt dahinter. Er braucht Zeit!

Aber warum hatte er das getan? Linus zögerte immer noch und wartete mit seiner Unterschrift.

Adam plant etwas, da bin ich mir sicher. Er will ihm nicht diese Macht zu kommen lassen!

Auch wenn ich keine andere Wahl habe, würde ich gerne noch einen Tag darüber nachdenken und erst heute Abend, wenn die Sonne erneut unter geht die Unterschrift setzen“, sagte Linus langsam und leise.

Fenris nickte. „Das verstehe ich vollkommen. Sicher musst du auch erst einmal sehen, wie du alles arrangieren kannst“, antwortete er ihm. „Aber falls Adam vorhat Felis im Alleingang zu holen….“, Fenris sah aus dem Fenster. Kara folgte seinem Blick und stellte fest, das bereits die ersten Sonnenstrahlen zu sehen waren. 

Die Tore werden jetzt erst geöffnet. Ich hin gegen kann die Sperrstunde um gehen. Und ungefähr jetzt werden sie den Hof von Iris erreichen und Felis mit nehmen. Wenn ihr also vor hattet Felis zu holen, bevor es Rogan tut, dann muss ich euch enttäuschen. Das wird selbst Adam nicht schaffen, auch wenn er ein Seditio ist!“, diesmal begann Lestoi zu lachen und kurz darauf setzte Fenris mit ein.

Du Schwein!“, rief Kara.

Na na mein Liebes“, antworte Lestoi, die jetzt wieder die Liebenswürdigkeit in Person war. „Wo sind denn deine Manieren. Wir versuchen dir nur zu helfen“

Als ehrenvoller Bürger ist es meine Pflicht einen Jünger von Rogan – und genau das ist Felis seit der Unterschrift von Iris, genauso wie du noch eine von Sharons Palexa bist Kara – vor einer Entführung zu schützen. Das ganze Problem ist, wenn ich Felis hier her bringen muss und vorgeben ihn zu beschützen, weil ihr ihn entführen wollt, dann kann ich nicht viel machen, weil Rogan sich dann nehmen wird, was ihm gehört! Du kannst also deine Zeit haben Linus, aber wenn Adam eine Dummheit macht, dann verliert ihr Felis“, Fenris Augen strahlten eine Aura der Kälte und Berechnung aus. Kara traten Tränen in die Augen. Sie sah zu Linus und fühlte sich hilflos.

Für einen Moment schloss er die Augen, dann unterschrieb er auf dem Vertrag und der doppelten Ausführung. Lestoi klatschte. „Gut gewählt mein Junge.“

Das war es wir haben unsere Seelen gerade einem Dämon verkauft, dachte Kara. Fenris lächelte zufrieden. „Sehr gut, Sehr gut. Es freut mich, dass wir eine Einigung erzielen konnten.

Ja“, sagte Linus knapp. „Ich werde sofort alles in die Wege leiten“

Fenris schüttelte den Kopf. „Meine Männer werden euch einholen und euch Felis bringen. Ich denke nicht, dass du wichtige Sachen in Salis hast, die du dringend brauchst. Selbstverständlich werde ich dir alles in den nächsten Tagen nach schicken, wenn du etwas benötigst.“

Wieder sagte Linus nur ein knappes „Ja“.

Dann stand er auf. Fenris gab ihm die Hand. „Du hast mein Wort, dass ihr Felis noch vor Einbruch der Nacht sehen werdet. Seht es als großzügiges Geschenk. Aber jetzt muss ich euch bitten aufzubrechen.“

Einen Moment“, sagte Linus.

Was ist denn noch. Ich sagte bereits, dass die Zeit eilt“, sagte Fenris scharf.

Was ist mit Adam?“, fragte Linus.

Balter Fenris begann zu grinsen. „Das kann ich dir nicht sagen. Das hängt alles von den nächsten Stunden ab und wie er sich verhält. Ich werde ihm natürlich ausrichten, dass du aufgebrochen bist um alles in die Wege zu leiten.“

Linus nickte, atmete tief durch. „Ich werde bald wieder hier sein, wenn die erste unserer Lieferung eintrifft.“

Es hat mich gefreut mit dir Geschäfte zu machen. Ich wünsch euch eine gute Heimreise“, sagte Fenris und dann deute er ihnen, dass sie gehen sollten. Die Kutsche fuhr in unauffälligen Tempo aus der Stadt und wurde von vier Reitern begleitet.

Keinem Menschen viel auf, dass der Sohn des Kaufmannes aus Tarin die Stadt wieder verlassen hatte und von Madame Lestoi begleitet wurde. In ihrer Abwesenheit übernahm Fenris die Organisation der Palexa. Während die Kutsche aus der Stadt fuhr, verließ Jacob das Haus von Balter Fenris.

Freischreiben #4 Der Fluss der Zeit

Freischreiben #3 Zwei Enden einer Stadt

Freischreiben #2 Zwischen Zwei Brücken

Freischreiben #1 Zwischen zwei Brücken

 

Je weiter das Jahr ins Land zieht, desto weiter geht es den Fluss hinauf. Es ist Frühsommer und mittlerweile treiben Schlauchboote die Strömung des Flusses entlang. Eine Gruppe Halbstarker singen bei Bier und genießen die Sonne. Morgen werden die meisten davon rot sein. Durch und durch. Aber das ist es der Jugend wert.
Der Fluss ist hier noch seicht. Am Ufer schwimmen kleine Fische, die hier auf der Suche nach Mückenlarven sind. Noch ist das Wasser kalt, aber bald schon wird es hier an den seichten Stellen wärmer. Klar und ruhig wird das Wasser auch dann noch fließen. Bis auf die Schlauchboottouren ist es hier ruhig. Man hört sogar Vögel zwitschern und Grillen zirpen. Unbekannte Geräusche für viele Stadtbewohner.
Hin und wieder fahren Fahrräder vorbei. Ansonsten klingt nur der Wind in den grünen Blättern der Bäume. Nach und nach gesellen sich kleine Kajakgruppen zu den Schlauchbooten. Der Fluss lebt.
Der Geruch ist mild würzig nach den Gräsern und Bäumen der Umgebung. Hier wird nicht gemäht. Wildwuchs. Hier gibt es keine Renaturierung, denn noch ist es hier wirklich originale Natur.

Vor eine Dekade war es hier leerer. Heute ist selbst der Ort an der Zugstrecke gut besucht. Zeiten ändern sich, Interessen verschieben sich. Radfahren, grillen und schwimmen ist wieder in.
Genauso ändern wir uns. Geben andere Dinge an unsere Kinder weiter, als noch unsere Großeltern ihren Kindern. Die Menschheit wird offener. Kommunikativer. Durch die verschiedenen Subkulturen der Parallelwelt des Internets werden Kontakte geknüpft ohne das man sich jemals sieht. Oder dann doch. Früher wäre das undenkbar gewesen. Fortschritt ermöglicht es. Die Menschheit im Wandel. Distanzen räumlicher und ethischer Einschränkungen werden überwunden. Jeder kann teilnehmen. Kann dazu gehören.
Und doch gibt es Schattenseiten. Die gibt es immer bei uns. Ein Ort an dem wir alle gleich sind, alle nur eine Abfolge von 0 und 1 wird missbraucht um diese Gleichheit des Graus wieder in schwarz und noch schwärzer zu verwandeln. Noch vor dem Auftauchen der Trolle in unserem Zeitalter, existierte schon ein Schatten, der sich still und heimlich in den Social Media eingeschlichen hatte. Angezogen von den unendlichen Weiten wurden manche immer weiter hinein gezogen um dem hitzigen, stressigen und stickigen Alltag zu entfliehen. Eine neue Welt selbst zu erschaffen. Um sich herum. Bis der Sog dieses schwarzen Lochs auch Millionen von 0 und 1 zu groß wird und man von alleine nicht mehr weg kommt. Fluch und Segen zu gleich. Das ist der Preis des Fortschritts der Kommunikation von uns Menschen.
Wir erschaffen etwas und schließlich entsteht neben dem Licht auch eine ganze Menge Schatten.

Gehen wir nochmal eine oder zwei Dekaden zurück, dann gab es das nicht. Aber der Fortschritt nimmt Fahrt auf und steigt exponentiell an. Wer weiß, was noch auf uns zu kommt. Wie lang brauchen wir noch, um vom Smartphone zum vollwertigen Cyborg zu werden? Wie lang dauert es, bis uns künstliche KI’s das Denken fast vollständig abnehmen? Und wird dann die Welt eine gerechtere?
Aber davon steht nichts in dem Fluss abseits der Stadt und des Alltags. Hier steht die Zeit gefühlt noch immer still.

Viator – Salis – Part IX

I. Erwachen

II. Roter Mond

III. Salis

20

Er lies sich von Noah tiefer in das Territorium des Äußeren Rings

des Slums!

führen damit sie bei Sonnenaufgang die Stadt verlassen können. Für den Moment sprach keiner von ihnen ein Wort und Levi war dankbar darüber. Sein Kopf versuchte krampfhaft eine Lösung zu finden. Oder zumindest einen Ansatz.

Da hast du dich ja mal wieder in eine total beschissene Situation gebracht, dachte er. 

Die Zeit drängte und irgendwie hatte er keine Ahnung wo er anfangen sollte. Er wusste nur, dass sie unbedingt hier weg mussten, wenn er Noah in Sicherheit bringen wollte.

Warum tust du das überhaupt?

Er wusste es nicht. Aber er

er kommt aus meiner Welt, er ist der Einzige hier, der weiß wie es ist, hier nicht hin zu gehören

wollte auf keinen Fall, dass er noch länger in dem Waisenhaus war. Vor allem nicht, da er wusste zu was das Waisenhaus gut war. Es ging nicht darum den Kindern ein Dach über den Kopf zu bieten. Es ist Menschenhandel, dachte er.

Rogan handelt mit Kindern um sich so die Gunst einiger einflussreichen Bürgergruppen zu sichern. Wo bin ich nur hin geraten? Korruption, Glücksspiel, Manipulation, Prostitution, Religion und alle wollen ein Stück vom Kuchen der Macht in dieser Stadt.

Sie hielten sich am Rand einer kleiner Siedlung, aus den schäbigsten Holzhütten, die Levi sich vorstellen konnte, auf. Teilweise fehlten ganze Bretter, die, weil sie morsch und feucht waren, herunter gefallen waren. Keine Fenster. Löcher im Dach. Aus einigen hörten sie lautes Schnarchen. Wo sollten sie nur hin gehen? Weder er noch Noah kannte sich hier aus. Und die einzigen Freunde, die er gehabt hatte, hatte er gerade verraten. Dann erinnerte Daimonsstimme in seinem Kopf ihn an etwas.

Levi pass auf den Jungen auf. Er ist der Schlüssel zu allem. Rex weiß es und seine Läufer suchen nach ihm. Wenn sie ihn haben, wird das sein Tod bedeuten.

Er fuhr sich mit der linken Hand durch die Haare. Felis hatte er total vergessen. Fuck, dachte er. Sie saßen an einer scheinbar verlassenen Holzhütte, die einen kaum sichtbaren Schatten im Mondlicht hatte. 

Noah“, sagte Levi. „Als du vorhin gesagt hast, dass die Jünger Rogan zu dienen haben und das auf jede Art und Weise, da meintest du…?“

Ich meinte es so, wie ich es gesagt habe! Alles war Rogan will, haben sie zu tun. Sie sind seine Diener.“

Also auch?“

Ja, das Zölibat scheint nur im Bezug auf Frauen zu gelten“, sagte Noah trocken. Levi schloss die Augen und atmete resigniert aus.

Was ist?“

Levi antwortete nicht sondern starrte nur zum Mond hinauf in der Hoffnung von dort eine Antwort zu erhalten. Er musste Felis davor bewahren. Nicht nur, weil es Unrecht war, sondern auch weil irgendwas zwischen ihnen war. Er hatte es gespürt. Eine Verbindung. Eine Ähnliche, wie zu Noah. Nur kommt Felis nicht aus unserer Welt, sagten die grünen Augen.

..vi?!“, hörte er Noah sagen. Er sah wieder zu ihm.

Was ist?“

Warum hast du gefragt?“

Weil…Es ist…“, er brach ab. Atmete langsam und tief durch.

Es tut mir Leid Noah.“

Was tut dir Leid?“

Ich kenne einen Jungen, der soll morgen einer von Rogans Jüngern werden….Das kann ich nicht zu lassen. Es ist…Er…Ich meine….Es geht einfach nicht“

Okay….ja und weiter?“

Ich muss ihn da raus holen und dazu muss ich einen Umweg machen. Vielleicht wäre es besser für dich, wenn sich unsere Wege bei Sonnenaufgang für einige Zeit trennen. Es ist nicht gerade die beste Idee denke ich“

Vergiss es!“

Levi sah ihn mit erstaunten Augen an. Eine solche Entschlossenheit hatte er nicht erwartet.

Hast du sie noch alle?! Ein ganzes Jahr hat es gedauert, bis ich endlich mal jemanden getroffen hat, der hier ebenso wenig hin gehört, wie ich selbst. Ich werde nicht von deiner Seite weichen! Wir holen deinen Freund da raus!“

Levi sah ihn dankbar an, dann lächelte er und nickte. „Einverstanden.“

Aber ich hab keine Ahnung wo wir dann hin sollen“, sagte Levi.

Hmm…“, sagte Noah. Für einen Moment schien er nach zu denken, dann weiteten sich seine Augen vor Aufregung. „Ich hab hin und wieder etwas von einer Stadt gehört, die so sein soll, wie die Städte in unserer Welt. Vor allem Rogan hat sich ab und zu bei dem Aufseher des Waisenhaus darüber beschwert, das er die Geschäfte von einem Fenris nicht unterbinden kann. Er meinte der Fortschritt würde uns nur den Tod bringen“, erklärte Noah.

Du meinst Tarin?“

Noah nickte. „Ich glaube schon“

Ja von der Stadt habe ich auch gehört. Sie soll weit im Norden liegen. Sie scheint Interesse an dem Salz in Salis zu haben. Aber es wird sicher kein leichter und schneller Weg dort hin werden.“

Es ist unsere einzige Chance. Vielleicht weiß man dort ja, was mit uns passiert ist“

Levi nickte. „Hoffentlich, Noah. Hoffentlich“

21

Als die Tür aufgerissen wurde, war Adam gerade in seinen unruhigen leichten Schlaf gefallen.

Adam?!“, rief Linus.

Mhm?“, er öffnete die Augen nur zur Hälfte. Linus hatte eine Petroleumlampe dabei und entzündete eine weitere auf Adams Nachttisch.

Sie ist weg!“

Adam gähnte und setzte sich auf. „Was ist los?“

Kara ist weg!“

Warum?“

Vorhin war eines der Mädchen von Lestoi hier und hat uns einen Brief geben. Lestoi meinte, dass Rogan vorhat ihren Bruder zu einem ihrer Jünger zu machen“, erklärte Linus. Adam antwortet nicht, dafür arbeite sein Verstand bereits besser als er gedacht hatte.

Sie wollte zu Lestoi“, fügte Linus ab.

Adam nickte. „Das macht es nicht einfacher“

Nein, dass mit Sicherheit nicht. Vor allem, wo Fenris und ich mich bereits in fast allen Punkten einig waren. Der Handel war bereits fast abgeschlossen!“

Das dachte ich mir , nach dem er heute solch gute Laune hatte und den Leuten vor dem Cubus allen zehn Freispiele geschenkt hat“, Adam schloss für einen Moment die Augen.

Okay gut…Sind die Informationen echt?“

Es war eindeutig Lestois Siegel darauf und… Ich weiß es nicht. Es könnte auch nur ein Trick sein um sie wieder zu sich zu holen“, sagte Linus.

Aus purer Nächstenliebe wird sie es sicher nicht getan haben. Aber was bringen ihr den falsche Tatsachen? Vor allem, da du und Kara mit Rogan einen Termin für eine Hochzeit habt. Es wäre ein leichtes es zu überprüfen“, sagte Adam. Er stand auf und ging einige Schritt in seinem Zimmer um her. Dann dämmerte es ihm und er blieb stehen.

Iris!“

Was ist mit ihr?“

Sie ist daran Schuld. Natürlich. Felis ist ihre einzige Geldquelle in den nächsten Jahren, wenn sie nicht verhungern will. Und nach allem, was man so über sie sagt, soll sie die ehemalige Haushälterin und Geliebte des Monus sein. Natürlich sind das nur Gerüchte und die auch sehr abwegig. Man will doch nicht behaupten, dass sich gerade Rogan nicht daran hält was er predigt“,

Sie sichert Rogan ihre Zustimmung, dass er einer der Jünger wird zu, und im Gegenzug entlohnt sie Rogan. Sie kommt an Geld und kann sich an Kara rächen“, stellte Linus fest.

Und Rogan verhindert es, dass ein weiterer Junge in die Bürgerwehr von Fenris geschickt wird“

Linus überlegte einen Moment, während Adam noch immer im Zimmer auf und ab ging.

Kannst du das lassen? Das macht mich nervös“

Und mir hilft es beim nachdenken, was ist dir jetzt lieber?!“

Linus antwortete nicht.

Okay, warte mal. Der Brief kam von Lestoi, richtig?“

Ja“

Hast du den Umschlag noch?“

Ja, er liegt in meinem Arbeitszimmer, wozu?“

Kannst du ihn holen, ich muss erst etwas wissen. Hol ihn mir. Ich wecke Levi. Wenn ich Recht habe holen wir Felis heute noch zu uns!“

Aber…“

Bitte Linus, hol den Brief!“

Das hatte gereicht um Linus dazu zu bringen das Zimmer zu verlassen. Adam selbst zog sich eine

Hose an, danach ging er in den ersten Stock um Levi. Diesmal klopfte er an die Tür. Keine Antwort. „Levi?“, rief er. „Auf wachen!“

Dann öffnete er die Türe. „Wach auf!“, rief er. Aber das Bett war leer.

Was zum….?!“, schrie er.

Was ist?“, fragte Linus hinter ihm.

Er ist weg!“

Linus sah ihn fragend an. In seiner Hand hielt er den Umschlag. Adam schüttelte den Kopf.

Darüber machen wir uns später Gedanken. Zeig mal her“, sagte er und nahm sich den Umschlag.

Er drehte ihn um und tatsächlich. „So wie ich mir gedacht habe.“

Was meinst du?“

Siehst du das Siegel?“

Ja, es ist das von Lestoi“

Schon klar. Aber ich kenne es von Fenris“

Bist du dir sicher?“

Warum hat mich dein Vater nochmal mit dir mit geschickt?“

Punkt für dich“

Man verlernt nicht, wie man Leute schützt und Informationen sammelt. Auch wenn man nicht mehr aktiv ist“, sagte Adam trocken.

Also was schlägst du vor?“

Adam konnte es nicht ausstehen, wenn er Linus so schwach und hilflos sah. Sobald etwas nichts mehr mit dem Handel zu tun hatte, wenn etwas außerhalb der Wirtschaft war, dann war Linus hilfloser als ein Katze mit drei Beinen bei dem Versuch auf allen vier Pfoten zu landen.

Fenris steckt dahinter“

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Fenris und Rogan gemeinsame Sache machen. Die können sich nicht ausstehen“, antwortete Linus.

Nein! Lestoi hat die Information geschickt, aber Fenris muss dahinter stecken, dass sie es getan hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Rogan wirklich an Felis interessiert ist und einen Deal mit Iris hat. Aber genauso sicher bin ich mir, dass es ein kluger Schachzug von Fenris war. Jetzt kommst du in Zugzwang.“

Warum? Kara muss sich doch entscheiden“

Glaub mir, es geht nicht darum, das Lestoi Kara zurück bekommt. Es geht um das Salz. Ich glaube, dass Fenris deine sichere Zusage zu eurem Deal haben will.“

Aber die hat er auch so schon“

Ja schon, aber jetzt wird er andere Bedingungen stellen. Er wird so viel raus holen, wie er kann und im Gegenzug wirst du Kara und Felis bekommen. Es geht ihm um Geld und die Macht hinter dem Handel! Linus, du musst sofort zu Fenris gehen. Halt ihn hin. Ich hol Felis. Wenn ihm der Handel mit dem Salz so wichtig ist, wie ich denke, dann musst du ihm das Druckmittel nehmen. Er wird dir so und so freies Geleit nach Hause zu sichern.“

Linus nickte. „Auf meinem Spezialgebiet kann er mir nichts vormachen“

Ich werde so schnell kommen, wie es geht. Versuch so viel Zeit heraus zu schlagen.“

Keine Sorge. Ich weiß jetzt was auf mich zu kommt. Hol du Felis!“, ordnete Linus an. Jetzt war die Unsicherheit verschwunden und der Geschäftsmann kam in ihm durch.

22

Sie hatten noch einige Stunden bis die Sonne aufgehen würde, dass wusste Noah. Er saß mit Levi in der Dunkelheit am Rand der Holzhüttensiedlung. Noah war beruhigt, dass sie seine Flucht noch nicht entdeckt hatten. Andererseits war er nur einer von vielen und er hatte Jacobs Rat immer befolgt. Jacob war ein Junge, der vor einem Jahr so alt, wie Noah jetzt war. Nämlich sechzehn. Braune Haare, graue Augen. Breite Schultern, abgemagert. Als man Noah in das Waisenhaus gebracht hatte, war er der erste Junge, der sich mit abgab. Noah erinnerte sich noch genau an sein Lächeln. Jacob zog dabei nur einen Mundwinkel nach oben, entblößte ein paar Zähne und seine Augen grinsten jedes Mal mit. Noah konnte nicht anders, als es erwidern. Die ersten Tage war Noah alleine gewesen. Hatte sich bewusst abgegrenzt. Er wusste, dass er dort falsch war. Er gehörte dort nicht hin. 

Am Nachmittag des dritten Tages war er vor dem Waisenhaus und saß im Gras. Sah in den Himmel. Noah schluckte den Kloß in seinem Hals hinunter. Wo er her kam, war es nicht besser, aber es war wenigstens sein zu Hause. Er hatte Jacob nicht gesehen, aber dann war er mit einem Mal da. Setzte sich neben ihn, legte sich zurück auf die Ellenbogen und sah ebenfalls in den Himmel. Es verging einige Zeit in der keiner etwas sagte, aber dann brach Jacob die Stille. Er räusperte sich.

Der beste Weg hier unbeschadet durch zu kommen ist nicht auf zu fallen“, hatte er gesagt.

Wenn du dich benimmst wie alle anderen auch, dann wird dir weniger passieren, weil du fast unsichtbar bist“, hatte er ihm erklärt.

Auf seine Art hatte er Recht behalten. Noah fing an sich mit den anderen an zu freunden und war ständig in einer Meute von Kindern. Von außen war er nicht leichter zu erkennen, wie alle anderen auch. Als Noah jetzt in den finsteren Nachthimmel sah – an dem keine einzige Wolke war – und ihm klar wurde, das der Winter auf sie zukommen würde, fragte er sich wie es Jacob ging und wo er hin gekommen war. Er wusste nur, dass Jacob bei der letzten Verteilung weg gebracht wurde. Danach hatte er nie wieder etwas von ihm gehört. Er senkte den Blick und spürte das Levi ihn an sah. Unterbewusst fing er an zu Lächeln und Noah fühlte sich nicht mehr ganz so einsam. Denn auch wenn er sich nie alleine gezeigt hatte, so gehörte er doch nie zu ihnen.

Wo kommst du her?“, fragte er Levi noch bevor dieser eine andere Frage stellen konnte.

Levi atmete einmal ein und aus. Seufzte. Sah in den Himmel.

Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht“, antwortete er. „Irgendwie war ich einfach hier“

Noah nickte. Zumindest den zweiten Teil hatte er auch erlebt. Aber anders als Levi wusste er noch sehr genau, woher er kam.

Diesen Ort werde ich wohl nie vergessen, dachte er.

So schlimm war es nicht, wenn man es mit hier vergleicht, sagte eine Stimme in seinem Kopf, die sich wie Jacob anhörte.

Das ist wie Äpfel und Birnen vergleichen, dachte er.

Gut das Essen war schlechter und die Unterkunft auch und

du bist hier alleine

er lebte in ständiger Angst, das Rogan oder ein anderer nachts zu ihm kam. Aber diese Angst kannte er bereits. Der leichte, unruhige Schlaf, weil jeder Zeit jemand die Tür öffnen konnte und herein treten.

Auch wenn du Scheiße in eine Vase packst, bleibt es immer noch Scheiße, dachte er.

Er konnte das gedämpfte Schluchzen und Wimmern der anderen immer noch hören, wenn der Kelch an ihm vorbei gegangen war. Jedes mal schämte er sich, wenn er erleichtert ausatmete und mit Tränen in den Augen zu Gott betete und ihn dafür dankte. Alles in allem hatte sich nichts verändert, außer dass hier eine Grippe im Winter den Tod bedeuten konnte.

23

Auch Felis war kurz vor Sonnenaufgang noch wach, morgen war der Tag an dem Rogan kam um ihn zu holen. Iris hatte ihn verkauft und er wusste immer noch nicht, was er tun sollte. Weg laufen hätte nichts gebracht, denn wo immer die Wachen ihn gesehen hätten in Salis, er wäre doch zu Rogan gekommen. Und er wollte sich nicht ausmalen, was dann passiert wäre. Auch er atmete tief durch und unterdrückte die Tränen.

Vielleicht ist es auch gar nicht so schlimm, dachte er. Vielleicht ist es wirklich ein guter Schritt.

Aber irgendwie glaubte er es nicht so Recht. Er hatte ein flaues Gefühl im Magen. Irgendetwas zog herauf. Ähnlich wie der Sturm, der in der Nacht nach Rogans Besuch, los brach. Dicke Regentropfen hämmerten auf das alte Dach. Der Wind peitsche immer wieder einen Schwall von ihnen gegen die Fensterscheiben. Und das mit so einer Wucht, dass er Angst hatte, das die Scheiben splittern könnten. Er wusste auch schon bevor er Levi das erste Mal gesehen hatte, dass er seinem Gefühl trauen konnte. Das es meistens Recht hatte. Genau aus diesem Grund wusste er, dass es die Wahrheit war, die er gesehen hatte. Außerdem war er für die Stimmungen anderer Personen, die ihm nahestanden, ebenso anfällig. Früher war er immer traurig, wenn Kara Kummer hatte. Sie hatte nie etwas sagen müssen und er verstand trotzdem, das etwas nicht richtig war. Er wusste nicht warum es so war, aber Felis wusste, dass es so war. In der Regel kannte er den Grund nicht und zu gleich kannte er ihn schon. Es war abstrakt. Felis sah das Bild, aber konnte es nicht in Worte fassen.

Nein ich seh es nicht, ich fühle es, dachte er.

Und genau aus diesem Grund machte ihm dieses Gefühl Angst. Sein Magen hatte sich zusammen gezogen zu einem glühenden Klumpen. Seine Schultern waren angespannt und schmerzten bereits, aber er konnte sich nicht entspannen. Und je heller es wurde, desto größer wurde seine innere Unruhe.

24

Adam hatte es geschafft trotz der Sperrstunde die Stadt zu verlassen. Es hatte so seine Vorteile, wenn man mit ein paar schnellen Handgriffen, seine Gegner ausschalten konnte.

Genauso wie früher, dachte er.

Als die Sonne aufging und die Tore geöffnet wurden, hatte er bereits den halben Weg zurück gelegt. Er befand sich bereits in der Nähe des Waldes, der sich über den Hügel ausbreitete und bis dicht an das Anwesen von Iris reichte. Es herrschte Stille. Doch irgendetwas störte die Ruhe. Adam konnte es nicht genau aus machen. Schloss die Augen und hielt die Luft an. Es war ohne hin noch zu dunkel um etwas zu sehen.

Es ist weit entfernt. Irgendwie dumpf. Aber schnell.

Er kannte das Geräusch, aber es war zu leise um es aus zu machen.

Es klingt wie tab-tab, dann eine kurze pause und wieder tab-tab. Ich kenne es.

Adam öffnete die Augen und sein Herz begann schneller zu schlagen, dann

Sie kommen!

begann er zu rennen. Der Wald war nicht mehr weit weg, er konnte es schaffen ihn zu erreichen, bevor sie ihn sehen würden. Noch waren sie nicht durch die Stadttore gekommen und wenn doch, dann noch nicht weit.

Sie sind einen ganzen Tag zu früh dran. Hat Rogan Angst? Ahnt er etwas?

Erst als er durch die erste Reihe an Bäumen stürzte genehmigte er sich einen Augenblick Ruhe und sortierte seine Gedanken. Nochmal lauschte er. „Oh nein!“, rief er. „Sie kommen nicht, sie sind bereits vor mir!“

Fenris ist mir immer noch einen Schritt vor raus, dachte er, und stand auf.

Zum Glück hab ich noch ein Ass im Ärmel.

Viator – Salis – Part IIX

I. Erwachen

II. Roter Mond

III. Salis

18

Blut, da war überall Blut. An seinen Händen. An seiner Hose. Alles war warm und glitschig. Klebte. Seine Wangen waren feucht. Und er spürte Schmerz. Weit in seinem Inneren, als ob es ihn zerriss. Levi legte den Kopf in den Nacken und sah in das weiße Licht. Er schrie und schrie und schrie. Kalte nasse Seeluft schlug ihm ins Gesicht. Er stand vor dem Meer und sah den gleichmäßigen Wellen zu, die gegen das Schiff schlugen. Er konnte Zigarettenrauch riechen und er spürte Vollkommenheit. Er hörte eine Stimme etwas zu ihm sagen, aber verstand sie nicht, da sie der Wind in die andere Richtung trug. Levi drehte den Kopf und sah in ein Gesicht, in das er schon tausendmal zu vor gesehen hatte. In Augen, die er nie im Leben vergessen konnte und doch nicht mehr wusste wie sie aussahen. Wenn ihn jemand fragte,

sie sind grün

dann konnte er es nicht sagen. Die Farbe war nicht alles und es war nicht die Wahrheit es. Da war mehr.

Sie haben Weitblick, dachte er. Levi stand auf der Reling eines Segelschiffes, vor ihm das weite Meer. Der Wind zerzauste sein Haar. Er grinste.

Es war dunkel, aber überall blitzen farbige Lichter auf. Tauchte hunderte von Menschen in grün, orange, rot oder blau. Immer wieder. Immer unterschiedlich. Er war oben. Auf einem Podest. An seiner Seite die Königin der Nacht. Sie sah umwerfend auf, wenn ihre milchige Haut rot, orange oder blau schimmerte. Enge Hose, gut sitzendes rotes Top. Die Musik war viel zu laut und dröhnte in seinen Augen irgendeinen Text, den er nicht verstand. Aber das war vollkommen egal, denn die Königen bewegte sich mit Leidenschaft und Anmut. Ihre Körper berührten sich. Sie tanzen eng. Ihre Augen trafen sich.

Oh wie schön doch ihre Augen sind. Wie exotisch, wie wild.

Wie grün sie sind.

Und dann kam sie einen Schritt näher. Er spürte die Hitze ihrer Haut. Ihr Temperament. Sie wollte ihn, das wusste er. Hier oben war er ihr gewachsen. Über den Köpfen der Anderen. Sie ging um ihn herum, drehte ihn, legte ihre Lippen auf seine. Er konnte den süßen Geschmack ihrer Lippen schmecken. Dann war ihr Kopf weg und die Zeit blieb stehen. Nein das war nicht richtig. Die Zeit lief weiter, genauso wie die Menschen weiter tanzten. Selbst die Königin spürte es nicht und tanzte weiter. Levi stand still da, konnte sich nicht mehr bewegen. Sein Blick war starr nach unten gerichtet. In die Menge. Und im selben Moment wurde der Kopf von einem der Laser angestrahlt und leuchtete rot. Dann fiel ein Glas zu Boden und zersprang auf dem Steinboden. Doch als die Scherben durch die Luft flogen, glitzerten sie wie bunte Diamanten. Sein Herz setzte für einen Schlag aus. Und dann war er wieder zurück. Weißer Fließen. Kaltes Neonlicht. Und das leuchtende Rot des Blutes. Levi hörte sich Schreien. Er schrie und schrie und schrie, aber das zerren in seinem Inneren wurde nicht besser. Dann wurde es schwarz.

Feste Strukturen streben immer nach dem Zustand des Chaos, sagte Daimon in seinem Kopf.

Schnittstellen werden mit Blutgeld bezahlt, sagten die grünen Augen.

19

Er schreckte aus seinem Bett hoch, es war immer noch dunkel. Er sah auf den Schrank gegenüber von seinem Bett. Sein ganzer Körper zitterte noch, war nass vor Schweiß. Selbst seine Wangen. Weil du geweint hast, dachte er. Sein Atem raste, das Herz pumpte.

Er starrte an die Decke. Was war das? Was ist gerade passiert?

Geistesabwesend stand er auf, ging ans Fenster und zündete sich eine Zigarette an. Er sah in die Nacht hinaus.

Kümmere dich nicht weiter darum, sagte Daimon in seinem Kopf.

Levi fing an zu Lachen. Wie um alles in der Welt sollte er die Bilder vergessen. Das Blut hatte sich in sein Gehirn gefressen.

Du kannst daran nichts ändern, du hast eine Aufgabe.

Das würde ich ja gerne, aber wie soll ich hier etwas erreichen, wenn ich keine Ahnung was hier vor geht?!“, schrie Levi. Seine rechte Hand verkrampfte sich in eine Faust. „Ich will nach Hause!“, brüllte er.

Du bist dort, wo du hin gehörst, sagte Daimon.

Bla bla bla! Wenn du nichts brauchbares zu sagen hast, dann halt die Klappe!“

Dann wurde es still. Levi hörte Stimmen und konnte sie zu erst nicht zu ordnen. Verstand nicht einmal was sie sagten, doch dann wurde fing sein Verstand an zu arbeiten. Die Stimmen gehörten eindeutig zu Linus und Kara. Zwar hatte er Kara noch nie sprechen hören, aber er wusste es instinktiv.

Du hast doch gehört was sie gesagt hat!“, schrie Kara.

Und wenn Lestoi eins kann, dann ist es Informationen beschaffen, die wahr sind. Mein Bruder ist in Gefahr!“

Das weißt du doch nicht“, versuchte sie Linus zu beruhigen. „Es könnte nur ein übles Mittel sein um dich wieder zurück zu holen und an sich zu binden.“

Das Risiko kann ich nicht eingehen. Wenn er wirklich meinen Bruder zu einem seiner Jünger machen will, dann muss ich das verhindern!“

Bleib ruhig. Wir werden morgen als erstes der Sache nach gehen und raus finden, ob es wahr ist.“

Natürlich ist es wahr!“

Wie kannst du dir da so sicher sein?!“

Rogan lässt nie eine Chance verstreichen, sich nicht als der gütige Helfer anzubieten und von seiner Gemeinde feiern lassen. Buße für die Tragödie, an der er nie wirklich Schuld war. Er konnte es nicht verhindern. Die Wege des Herrn sind unergründlich. Du weißt doch was er in seinen Predigten sagt. Er wahrt sein öffentliches Gesicht und streicht noch die Nächstenliebe mit ein!“, brüllte sie.

Levi hörte nicht, das Linus irgendetwas antwortete.

Es gibt keine andere Möglichkeit, ich muss zurück zu ihr. Wenn mir einer helfen kann, dann ist sie das. Oh Omins! Wie konnte ich nur so dämlich sein, anzunehmen, du könntest mir da raus helfen!“, dann hörte Levi nur noch, wie eine Tür zu geschlagen wurde.

Levi drückte die Zigarette aus und zog seine Hose, Schuhe und Jacke an. Er wartete noch einen Moment, aber das Haus blieb still. Dann schlich er sich nach draußen. Er musste endlich anfangen, wieder selber zu denken und nicht immer das zu tun, was Adam ihm sagte. Es war gut gewesen, so lange er noch nicht lange wach war. Aber jetzt war es soweit. Er wusste nicht wie lange er schon hier war, aber er konnte hier nicht bleiben.

Das bringt mich keinen Schritt weiter, dachte er.

Also schloss er leise die Tür hinter sich und schlich sich durch die dunklen Straßen von Salis. Er hatte nicht vergessen das die Sperrstunde in Kraft getreten war und er besser nicht entdeckt werden würde, aber er hatte keine Wahl. Immer wenn eine Patrouille kam, versteckte er sich.

Es ist einfacher diesen Trotteln auszuweichen, als ich gedacht hätte.

Er hatte die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen und ging nicht wie sonst in Richtung des Marktes und des zweiten Rings. Er würde sich im Inneren Ring irgendwo verstecken und dann so bald die Tore geöffnet wurden, würde er abhauen. Ja es war richtig, dass er Linus eine Menge schuldete, aber was sollte er tun? Sein verbleibendes Leben das tun, was Adam ihm sagte? Wer zum Teufel war der Kerl eigentlich, denn für einen einfachen Koch spielte er sich ziemlich auf. Eigentlich sollte er genau die gleiche Stelle haben, wie einer der Diener von Linus. Es war wirklich dunkel, deswegen konnte er nicht mehr erkennen, als die Umrisse der Gebäude. Es wurden langsam immer weniger, bis sie schließlich ganz aufhörten. Das letzte Haus war riesig und imposant. Adam hatte ihm erzählt, dass dort Ruben lebte, der Stadtführer. Der einst breite und gepflasterte Weg wurde schmaler und führte zu einem riesigen Gebäude, das aussah wie eine Kirche. Sie hatte zwei Türme.

Das sind die Türme, die ich gesehen habe. Der eine ist einen Meter kürzer, als der andere. Und bei Tageslicht bestehen die Kuppeln der Türme aus grünen Kacheln. Es ist das oberste Glaubenshaus hier in Salis.

Die Kirche stand auf einem kleinen breiten Hügel und thronte wachend über der Stadt. Neben dem jetzt viel schmaleren Weg war eine Wiese und als er auf dem kleinen Hügel stand konnte er bereits, die Stadtmauer sehen. Hier oben war nichts mehr, außer ein Haus neben der Kirche, das mehr wie ein Anbau aussah und vorne nicht zu sehen war. Levi drehte sich um und versuchte sich zu orientieren. Und dann entdeckte er etwas, am Fuße des Hügels, hinter der Stadtmauer, direkt hinter der Kirche. Es war ein großes heruntergekommenes Haus. Breit und das Holz war bei Nacht fast schwarz. In den meisten Fenstern brannte noch Licht. Er ging den Hügel nach unten in Richtung der Mauer. Irgendwas stimmte nicht. Er hatte es auf die Entfernung nicht genau sehen können, aber jetzt da er gerade noch so über die Mauer sehen konnte, viel ihm auf, das hinter der Kirche und dem Innerem Ring nichts stand. Der Zweite Ring bildete hier nur eine leere Gasse, mit zwei Toren an jedem Ende. Das Haus stand also im Äußeren Ring. Neben der Kirche schlängelte sich ein Trampelpfad den kleinen Hügel herunter und traf genau auf

die Stadtmauer. 

Warum sollte ein Weg genau in eine Mauer führen? Da ist doch ein Sinn dahinter oder?

Und dann stand er vor der Mauer und er fand den Sinn. Von weiter oben konnte man nie und nimmer den Spalt erkennen, der sich hier in der Mauer befand. Er war nicht breit, gerade so groß, dass Levi sich hindurch zwängen konnte. Auf der anderen Seite war es finster. Er sah die Hand vor Augen nicht mehr. Der Weg führte rechts in der Mauer entlang und führte nach unten. Und dann wurde es heller. Nicht viel, aber er konnte wieder seine Hände sehen. Der Pfad machte eine Biegung, die fast rechtwinklig war und führte allem Anschein nach unter dem zweiten Ring hin durch. Als er um die nächste Ecke bog, konnte er sehen, woher das Licht kam. Hinter der nächsten Biegung flackerte etwas. Es konnte nur eine Fackel sein. Levi ging langsam und leise weiter. Er war sich durch aus bewusst, dass er, wenn er hier gefunden werden würde, mehr als nur Ärger bekommen würde. Je näher er der Ecke kam, desto greller wurde das Licht, bis es in seinen Augen schmerzte. Zu dem Zeitpunkt kam er gerade um die Ecke. Er stand am Anfang von einem langen Gang, der spärlich mit Fackeln ausgeleuchtet wurde, aber mit genug, damit seine Augen schmerzte. Am Ende konnte er eine weitere Biegung sehen, diesmal nach links. Wahrscheinlich würde er ein gutes Stück innerhalb des Äußeren Ringes heraus kommen. Levi blieb einen Moment stehen und hielt die Luft an. Versuchte zu hören ob er Schritte hören konnte. Aber es war ruhig. Er konnte nur seinen eigenen Herzschlag hören.

Als er wieder auf der Erde stand, war der Mond hinter den Bergen hervor gekommen. Gefühlsmäßig würde er es auf zwei Uhr morgens schätzen, höchstens halb drei. Zum ersten Mal war er froh darüber, dass er seine Jacke angezogen hatte. Die Lederjacke wärmte ihn etwas, nicht sonderlich viel, aber es reichte. Er sah sich um. Hier war rein gar nichts, außer das Haus, dass er gesehen hatte. Der Rest hier hinten bestand aus einem matschigem Rasen, und Laub. In der Dunkelheit meinte er einige morsche Holzhütten zu sehen, aber sehr weit weg. Das war also der Äußere Ring. Es war zumindest der richtige Ort um sich heute Nacht zu verstecken. Er hatte einmal ein Wort gekannt, das den Zustand hier beschreiben konnte. Aber er erinnerte sich nicht daran. Slam“, murmelte er.

Nein Slum, ist der richtige Begriff, sagten die grünen Augen in seinem Kopf.

Etwas raschelte in dem Gestrüpp nahe der Mauer. Levi fuhr herum und presste seine Augen zusammen und besser sehen zu können. Er ging langsam darauf zu. Dann kam etwas aus dem Gebüsch gestürzt. Levi wich einen Schritt zurück und war handlungsunfähig, als er den blonden Schopf im Mondlicht sah. Der Junge rannte in Richtung der Holzhütten. Endlich löste er sich aus seiner Versteinerung und rannte ihm nach.Hey! Warte!“, rief Levi. Der Kleine war schnell, aber nicht schnell genug. Levi schaffte es eine Hand auf seine Schulter zu packen und ihn zurück zu reisen. Warum rennst du weg?“, fragte Levi. Auch wenn es nur ein kurzer Sprint gewesen war, war er jetzt doch außer Atem. Er legte die andere Hand auf die andere Schulter und drehte den Jungen. Er unterdrückte das innere Verlangen danach zurück zu weichen, als er in die eisblauen Augen sah. 

Sie sind so tief und kalt wie Gebirgsseen, dachte er.

Anders als die Augen, die eine Reife und Stärke ausstrahlten, waren seine Gesichtszüge weich. Wären die Augen nicht gewesen, würde er aussehen, wie ein zehnjähriger Junge. Aber seine Augen sprachen eine andere Sprache. Lass mich los!“, sagte der Junge. Seine Stimme war tiefer, als er gedacht hatte. Jetzt war sich Levi sicher. Er war kein Junge. Auch wenn er fast noch einen Kopf kleiner war, als Levi selbst, war dieser Junge sechzehn vielleicht siebzehn Jahre alt.

Schon gut, ich tu dir nichts. Was machst du um die Uhrzeit noch draußen?“, fragte Levi. Dann lies er den Jungen los.

Das geht dich einen Scheiß an!“

Levis Augen wurden größer. „Was hast du gerade gesagt?!“

Das geht dich einen Scheiß an und jetzt verpiss dich!“

Er hatte in all den Wochen, die er jetzt schon hier sein musste, noch jemanden so sprechen hören. Ja Adams Ausdrücke waren derb, aber sie hatten nicht dieses Klang. Er umarmte den Jungen und lachte. „Gott sei Dank“, sagte er. „Ich wusste, ich bin nicht verrückt!“

Lass mich los!“, rief der Junge und presste sich von Levi weg. „Tickst du noch ganz richtig du  blödes Arschloch?!“

Levi grinste nur, nickte. „Schon gut, tut mir Leid“, er ließ den Jungen los und lächelte zufrieden.

Was willst du von mir? Du bist keiner von Rogans Leuten, also was willst du hier. Du siehst nicht

aus, als würdest du im Äußeren Ring leben“, sagte der Junge. Dann musterte er ihn. Seine Augen blieben an der Lederjacke hängen.

Oh mein Gott?!“ 

Nicht Omnis?“, fragte Levi.

Der Junge schüttelte den Kopf.

Wie bist du hier her gekommen?“, fragte Levi.

Der Junge starrte an ihm vorbei, auf das Haus. Dann zog er ihn davon weg. „Hier ist es nicht sicher für mich.“

Warum?“

Das ist eine Art Waisenhaus, zumindest denke ich das. Ich hab mich raus geschlichen….Ich dachte

sie haben mich entdeckt! Wir müssen hier weg!“

Er zog ihn ein gutes Stück weg von dem Waisenhaus auf halben weg zu den Hütten setzte er sich nahe des Gestrüpps hin. Das Licht des Mondes schimmerte matt und sie würden nicht mehr zusehen sein.

Ich bin Noah“

Levi, freut mich dich kennen zu lernen“, er gab ihm die Hand.

Seit wann bist du hier?“, fragte Noah.

Ich weiß nicht, seit ein paar Wochen glaub ich. Du schon länger?“

Es ist fast ein Jahr…“, sagte Noah und sah auf den Boden. „Fast ein Jahr bin ich jetzt schon in diesem Drecksloch!“

Weißt du wo wir sind?“

In Salis“, antwortete Noah.

Ich meine….Du weißt schon?“

Noah nickte. „Ich hab keine Ahnung.“

Levi zündete sich eine Zigarette an. Noah sah ihn mit großen Augen an. Levi seufzte und gab ihm die Zigarette. Zündete sich selbst eine neue an. Noah inhalierte langsam und tief. „Wow, ich hatte schon fast vergessen, wie es sich anfühlt“

Levi nickte. „Ja, scheint hier Mangelware zu sein. Ich sollte sie mir einteilen“

Er sah ihn noch mal an, lange Zeit einfach nur in die Augen. Levi glaubte das die Gebirgsseen doch nicht so kalt waren, wie sie aussahen. Aber man konnte in ihnen ertrinken.

Kannst du mir helfen? Ich muss von hier weg!“, sagte Noah nach einer Ewigkeit.

Ich weiß nicht…“

Bitte!“

Levi nahm einen Zug seiner Zigarette. „Ich werde im Morgengrauen aus der Stadt abhauen….Du kannst gerne mit kommen, aber….ich hab keine Ahnung wohin es gehen soll“

Egal, Hauptsache weg! Morgen ist die Verteilung.“

Verteilung?“

Ja. Rogan teilt die Ältesten und Kräftigsten Jungen an die Bauern, Salzminenarbeiter, Schornsteinfeger auf. Die schönsten jungen Mädchen kommen zu Lestoi und die klügsten behält er weiter bei sich, damit sie ihm dienen“

Dienen?“, fragte Levi.

Ja auf jede Art und Weise!“

Levi zog die Augenbrauen fragend nach oben.

Ja, Priester bleibt Priester“, sagte Noah trocken. Für einen Moment spürte Levi den Schmerz, der auf dem Jungen lastete.

Es ist ein Wunder, dass er mir vertraut, dachte er.

Nicht wirklich, ihr gehört hier beide nicht hin. Ihr habt etwas gemeinsam, antwortet die Stimme der grünen Augen.

Levi sah ihm in die Augen. „Du kommst mit mir, ich bring dich hier weg“